In Deutschland ist es noch gar nicht so lange her, dass gleichgeschlechtliche Paare offiziell heiraten dürfen. Und auch wenn sich in den letzten Jahren viel getan hat, sehen sich Menschen aus der queeren Community immer noch vielen Missverständnissen und Vorurteilen ausgesetzt. Literatur schafft es, uns für andere Lebensrealitäten, Identitäten und Perspektiven zu sensibilisieren. Sie finden hier Klassiker, die zur damaligen Zeit regelrechte Skandale losgetreten haben, sehr persönliche Memoiren oder sommerliche Liebesgeschichten. Denn queere Literatur ist wie die Community selbst: divers und bunt!
Falls Sie auf der Suche nach queeren Jugendbüchern sind, hier entlang.
1. Megan Hunter: Tage des Lichts
(156Bewertungen)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: England 1938. Die 19-jährige Ivy steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden, unsicher, wohin ihr Weg sie führen wird. Soll sie Tänzerin werden? Malerin? Abenteurerin? Oder vielleicht sogar Spionin? Ivy weiß nur eines sicher: Ihre Zukunft soll besonders werden - so besonders wie ihre ganze Familie. Doch ein tragisches Ereignis am Ostersonntag lenkt ihr Leben in überraschend gewöhnliche Bahnen: Sie heiratet, bekommt Kinder und führt ein angepasstes Leben. Erst als Ivy Jahre später Frances wiederbegegnet, die sie an eben jenem Ostersonntag zum ersten Mal traf, wird ihr bewusst, wie leer sie sich fühlt. Beide Frauen spüren eine Anziehung, der sie nicht nachgeben dürfen - und die doch unausweichlich scheint.

Darum lieben wir dieses Buch: Megan Hunters "Tage des Lichts" überzeugt weniger durch dramatische Zuspitzungen als durch seine stille, präzise Beobachtung menschlicher Sehnsüchte und Verluste. Der Roman entfaltet eine dichte, fast poetische Atmosphäre, die seine Leser:innen dazu animiert, zwischen den Zeilen zu lesen. Gerade darin liegt seine Stärke. Ein queerer Roman für alle, die anspruchsvolle Charakterstudien und melancholische Erzählungen lieben.
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2. André Aciman: Call Me by Your Name
(274Bewertungen)15
Taschenbuch
14,00 €
Darum geht es: Völlig überraschend trifft Elio seine erste große Liebe: Der Harvard-Absolvent Oliver ist für sechs Wochen bei Elios Familie an der italienischen Riviera zu Gast. Oliver ist weltgewandt, intelligent und schön. Er ist alles, was Elio will, vom ersten Moment an. Die Zuneigung ist gegenseitig, doch Schüchternheit und Unsicherheit veranlassen beide zur Zurückhaltung. Ein fast unerträgliches Spiel von Verführung und Zurückweisung beginnt.

Darum lieben wir dieses Buch: "Call Me by Your Name" ist mittlerweile ein moderner Klassiker, den man unbedingt gelesen haben sollte. Der queere Roman punktet vor allem durch seine poetische Sprache und die leise in der Luft schwebende Melancholie. Die Geschichte ist sinnlich, träumerisch und so plastisch geschrieben, dass man alles fühlt, riecht und schmeckt. Große Empfehlung!
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3. Édouard Louis: Anleitung ein anderer zu werden
(121Bewertungen)15
Buch (gebunden)
Darum geht es: Mit Mitte zwanzig hat er schon mehrere Leben hinter sich: Eine Kindheit in extremer Armut, die Scham über die eigene Herkunft, die Flucht vom Dorf in die Stadt, den Aufbruch nach Paris. Er macht sich frei von den Grenzen seiner Herkunft, nimmt einen neuen Namen an, liest und schreibt wie ein Besessener, probiert sich aus, will alle Leben leben. Mit unbändiger Energie erfindet er sich wieder und wieder, schließt Freundschaften und hinterfragt doch die radikale Selbstveränderung, die sich nie ganz vollendet. Édouard Louis hat ein großes Buch geschrieben darüber, was man zurücklässt, wenn man bei sich selbst ankommt.

Darum lieben wir dieses Buch: Édouard Louis' autobiografische Romane haben uns alle sehr beeindruckt. In "Anleitung ein anderer zu werden" beschreibt er seine vielleicht prägendsten Jahre. Vom Ausbruch aus den kleinbürgerlichen Dorf seiner Kindheit bis zum schillernden Leben in der Großstadt. Und egal wie sehr sich unsere Lebensrealitäten vielleicht von der des Autors unterscheiden mögen, Édouard Louis schafft es, uns allen mit diesem queeren Roman den Mut zu machen, herauszufinden, wer wir wirklich sein wollen.
4. Kae Tempest: Ein Leben lang gesucht
(1Bewertung)15
Buch (gebunden)
25,00 €
Darum geht es: Rothko Taylor ist wieder angeschwemmt worden, in Edgecliff, der rauen Kleinstadt an der Küste. Vor zwanzig Jahren hatte Rothko sie verlassen. Und auf einmal nähert sich die Vergangenheit in rasender Geschwindigkeit: die Kids auf den Skateboards genau wie früher, die gesplitterten Bänke mit Blick raus aufs Meer, wo Mum mit den Dosen im Klammergriff saß. Der eine nette Ort der Stadt, an dem der Vater nichtsdestotrotz gescheitert ist bei dem Versuch, ein glückliches Zuhause zu errichten. Und dann der Häuserblock von Dionne. Die schöne, außergewöhnliche Dionne, der einzige Mensch, der Rothko jemals wirklich angeschaut und gesehen hat, was da war. Damals war dey überwältigt, von der schieren Angst, sank unter die Oberfläche ins Chaos. Doch dey hat es lebendig wieder rausgeschafft. Und dieses Mal ist Rothko felsenfest entschlossen, dass es anders laufen wird.

Darum lieben wir dieses Buch: In "Ein Leben lang gesucht" erzählt Kae Tempest sprachgewaltig von Familie und Vergebung, Erlösung und Sühne, Sehnsucht und Hingabe. Von den Dingen, die wir suchen, wenn wir uns verstecken, und von dem, was uns findet, wenn wir uns sehen lassen. Ein intensiver queerer Roman über die Liebe, den wir sehr empfehlen können.
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5. James Baldwin: Giovannis Zimmer
(127Bewertungen)15
Taschenbuch
Darum geht es: Im Paris der 50er-Jahre lernt David, amerikanischer Expat, in einer Bar den reizend überheblichen, löwenhaften Giovanni kennen. Die beiden beginnen eine Affäre - und Verlangen und auch Scham brechen in David los wie ein Sturm. Dann kehrt plötzlich seine Verlobte zurück und David bringt nicht den Mut auf, sich zu outen. Im Glauben, sich selbst retten zu können, stürzt er Giovanni in ein Unglück, das tödlich endet.

Darum lieben wir dieses Buch: Mit "Giovannis Zimmer" brach James Baldwin in den 1950ern gleich zwei Tabus: nicht nur schrieb er als Schwarzer Autor über weiße Männer, sondern auch noch, über ihre Liebe und Abhängigkeit voneinander. Dieses Meisterwerk der queeren Romane tut beim Lesen manchmal weh und trotzdem kennen wir kaum ein Buch, in dem wir so oft Sätze unterstrichen haben, wie in diesem. Baldwin war ein literarisches Ausnahmetalent und "Giovannis Zimmer" ist eines dieser Bücher, die jede:r einmal gelesen haben sollte.
6. Laura Dürrschmidt: Sommer der schlafenden Hunde
(10Bewertungen)15
Buch (gebunden)
22,00 €
Darum geht es: Lena und Trice sind alles füreinander - beste Freundinnen, schlimmste Feindinnen, Geliebte. Ihre Schulzeit in der tristen mitteldeutschen Vorstadt vertreiben sie sich mit ihrem eigenen Fight Club und Partys im Keller, später wohnen sie gemeinsam in der Großstadt. Doch es gab noch eine Dritte im Bunde, die geheimnisvolle Sascha, das Zentrum ihrer toxischen Dreiecksbeziehung. Sascha kommt am Ende der Schulzeit ums Leben. Was haben Lena und Trice mit ihrem Tod zu tun? Während eines unerbittlich heißen Sommers drängt die Vergangenheit ans Licht.

Darum lieben wir dieses Buch: Laura Dürrschmidts Roman ist kein Buch, das gefallen will. Er kratzt, drängt, verstört und genau daraus zieht er seine enorme Kraft. Zwischen Vorstadttristesse, Kellerpartys und emotionaler Verwahrlosung erzählt sie von toxischen Abhängigkeiten, verletztem Begehren und Figuren, die sich verzweifelt nach Nähe sehnen, obwohl sie einander zugleich zerstören.
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7. Stephan Lohse: Das Summen unter der Haut
(95Bewertungen)15
Buch (gebunden)
Darum geht es: Hamburg, 1977. Julle ist vierzehn Jahre alt. Kurz vor den Sommerferien bekommt er einen neuen Mitschüler, Axel. Sofort ist Julle verliebt. Dass er schwul ist, weiß keiner. Bis auf seine Schwester und seine Mutter vielleicht, Mütter sollen so etwas ahnen. Julle zählt die Stunden, die er Axel kennt, und freundet sich mit ihm an. Zusammen gehen sie ins Freibad, füttern Axels Kaninchen und entdecken eine versteckte, halb abgebrannte Hütte im Wald. Als sie deren Geheimnis beinahe gelüftet haben, ist Axel plötzlich verschwunden - und Julle ahnt, dass nach diesem Sommer nichts mehr so sein wird wie davor.

Darum lieben wir dieses Buch: "Das Summen der Haut" weckt Nostalgie pur! Dieser emotionsgeladene queere Liebesroman hat uns sofort in die Sommer unserer Kindheit zurückversetzt. Stephan Lohse schafft die perfekte Balance zwischen sommerlicher Leichtigkeit und schicksalhaften Geheimnissen. Wer "Die Mitte der Welt" von Andreas Steinhöfel geliebt hat, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.
8. Res Sigusch: Unbegründete Ängste
(12Bewertungen)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: Christian Lotz (30) lebt als queerer Single in einer sächsischen Kleinstadt. Jeden Sonntag trifft er sich mit seinen Eltern zum Sektfrühstück, unter der Woche arbeitet er im Fitnessstudio. Muskulös und gutaussehend - seine Mutter schwärmt, er sehe aus wie David Beckham Anfang der 2000er -, ist er innerlich von Unsicherheit geplagt und sorgt sich im Grunde um alles: Wie wirkt er auf andere? Warum findet er nicht den richtigen Mann? Was bringt die Zukunft in Zeiten von Klimawandel, Rechtsextremismus und Pandemien? Und ist er nicht vielleicht längst unheilbar krank, wie ihm seine täglichen Internetrecherchen weismachen wollen? Seine Antwort ist stets die größtmögliche Katastrophe. So wächst in Christian eine existenzielle Angst, die bald keinen Anlass mehr kennt. Erst als seine Lage unübersehbar wird, öffnet er sich seinem Umfeld - und erfährt: Geteilte Angst ist halbe Angst. Und manchmal braucht es bloß einen Funken Mut.

Darum lieben wir dieses Buch: Dieses queere Buch wird multiperspektivisch erzählt und gewinnt dadurch eine enorme Sogwirkung. Es geht um Missverständnisse, Sprachlosigkeit und Rechtsruck. Die Figuren sind sehr fein gezeichnet und man kann als Leser:in direkt mit allen mitfühlen. Empfehlung!
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9. Douglas Stuart: John of John
(129Bewertungen)15
Buch (gebunden)
26,00 €
Darum geht es: Cal ist zurück und all das, vor dem er nach Edinburgh geflüchtet war, ist wieder da: das karge Leben auf den Hebriden, der windgepeitschte Kreislauf aus Schafzucht und Nächten am Webstuhl, die Enge der Inselgemeinschaft. Sein Vater John hat ihn nach Hause beordert, dem er all sein Wissen über Farben und Wolle verdankt, dessen Hingabe als Tweed-Weber er liebt und dessen presbyterianische Strenge er hasst. Sie sind einander so nah und kennen sich so wenig - blind für das wohlgehütete Geheimnis des anderen. Niemals könnte Cal dem Vater von seiner Sehnsucht nach einem Partner erzählen, wo dieser schon seine langen Haare als Sünde ahndet. Stattdessen sucht Cal immer mehr die Nähe von Innes, Johns sanftem bestem Freund . . . Ein großer Roman über Verpflichtung und Verblendung, Liebe und Scham und die verwandelnde Kraft der Wahrheit.

Darum lieben wir dieses Buch: Douglas Stuarts "John of John" ist ein eindringlicher literarischer Roman über Herkunft, Männlichkeit und emotionale Verletzlichkeit. Besonders lesenswert ist die sprachliche Intensität, mit der Stuart innere Konflikte und zwischenmenschliche Spannungen beschreibt. Der Autor erzählt mit großer Sensibilität für soziale Milieus und zeichnet Figuren, die trotz ihrer Härte eine bemerkenswerte Zerbrechlichkeit zeigen. Dabei verzichtet der Roman auf einfache Urteile und entwickelt seine Wirkung gerade durch die präzise Beobachtung menschlicher Beziehungen.
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10. Chloe Michelle Howarth: Sunburn
(42Bewertungen)15
Buch (gebunden)
22,00 €
Darum geht es: Irland, Anfang der 90er. Lucy fühlt sich fehl am Platz. Familie und Freunde warten nur darauf, dass sie das tut, was alle tun: ihren Freund heiraten und Mutter werden. Während eines langen heißen Sommers fühlt Lucy sich plötzlich zu ihrer Freundin Susannah hingezogen, und sie beginnt zu verstehen, warum sie anders ist. Aus der zarten Verliebtheit wird schnell eine verzweifelte Liebe, die alles infrage stellt, woran Lucy bisher glaubte. Klug und einfühlsam erzählt "Sunburn" von der ersten Liebe, den Ängsten, die sie mit sich bringt, und der Realität des Erwachsenwerdens in einer Kleinstadt, in der die Tradition die Menschen fest im Griff hat.

Darum lieben wir dieses Buch: Wer Lust auf ein queeres Buch im Stil von "Call Me by Your Name" hat, sollte "Sunburn" lesen. Die Coming of Age-Geschichte über die Suche nach Identität und Liebe in einer kleinbürgerlichen Welt voller Konventionen und Erwartungen hat uns sehr berührt. Vor allem der Vibe der ersten Sommerliebe und die damit einhergehenden Gefühle werden hier sehr gut eingefangen. Ein toller queerer Liebesroman, den wir sehr empfehlen können.
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